Wie ständige Angst unser Leben beeinflusst, und wie wir sie überwinden

Angst gehört zu den Grundemotionen bzw. Grundgefühlen und begleitet die Menschen schon sehr lange. Angst als Gefühl ist sehr wichtig und sogar überlebensnotwendig. In der Steinzeit, beispielsweise, löste eine nahende Gefahr-wie z.B. ein großes Tier-ein Alarmsignal im Körper aus. Dieses hat den Menschen geholfen entweder in den Flucht- oder Kampf-Modus zu gehen, und so ihr Leben zu retten. Dieses Alarmsignal nennen wir Angst.

Auch heute ist Angst sehr wichtig, da es uns vor Gefahren warnt und zur schnellen Handlung befähigt. Angst wird stets von körperlichen und teilweise psychischen Symptomen begleitet. Zu den typischen Angstsymptomen gehören z.B. Herzrasen, Zittern, Mundtrockenheit, ein Engegefühl im Brustbereich, Beschwerden im Bauchbereich, Atemnot, Schwitzen oder Kälteschauer, Schwindel, die Angst, die Kontrolle über die Situation zu verlieren und manchmal sogar das Gefühl vor Angst zu sterben. Nachdem die akute Gefahrensituation vorbei ist, vergeht die Anspannung und die vorhandene Symptomatik und der Körper beruhigen sich.

Heutzutage wird Angst, wenn sie besonders ausgeprägt ist, zu den psychischen Erkrankungen gezählt. Die Internationale Krankheitsklassifikation ICD 10 unterscheidet dabei zwischen folgenden Angststörungen: Agoraphobie, Panikattacke, spezifische Phobien (z.B. Höhenangst, Prüfungsangst, Spinnenphobie), soziale Phobie und generalisierte Angststörung. Wenn Angst im Alltag zum Problem wird, kann man sie therapeutisch behandeln lassen. Zu den klassischen Methoden gehören Verhaltenstherapie und Psychopharmaka.

Was ist aber, wenn Angst unser Leben permanent, pausenlos dominiert?

In den letzten 2,5 – 3 Jahren ist Angst zum ständigen Begleiter unserer Gesellschaft geworden. Während der Corona-Pandemie hatten viele Leute auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit Angst zu kämpfen.

Einige hatten Angst vor der Erkrankung selbst. Man fürchtete entweder um sein eigenes Leben oder um das Leben der Angehörigen und Freunde. Jeder Mensch ist plötzlich zur potenziellen Gefahr für Andere erklärt worden. Man hat penibel alle Regeln beachtet, sich von seinen Mitmenschen isoliert und ist zum Alleingänger geworden - und das obwohl der Mensch ein soziales Wesen ist. Soziale Kontakte und persönliche Nähe sind für das Wohlbefinden der Menschen elementar wichtig.

Andere hatten Angst um ihre Freiheit, den Verlust der Grundrechte oder um die Nebenwirkungen der Impfung. Die klassischen und die sozialen Medien haben die Ängste auf beiden Seiten befeuert, indem schreckliche Nachrichten in engem Takt verbreitet wurden. Nachrichtenkonsum und die Verfolgung der aktuellen Entwicklungen ist zu einer Art Sucht geworden. Obwohl es zwei unterschiedliche Lager gab und teilweise noch gibt, sitzen wir alle in einem Boot mit dem Namen Angst. Heute läuft das Spiel mit der Angst weiter. Bei den neuen Ängsten geht es zum Beispiel um das Überleben oder finanzielle Sicherheit.

Wenn wir permanent Angst verspüren leidet darunter, wegen der vielen Sorgen, unsere Schlafqualität. Unsere Fähigkeit, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen, lässt nach und wir überreagieren wegen kleiner Überraschungen. Leichte Reizbarkeit, Magenbeschwerden, erhöhter Blutdruck und sexuelle Funktionsstörungen werden zum Alltag, unser Immunsystem wird schwächer und die Infektanfälligkeit erhöht sich. Zudem vermutet man, dass dauerhafte Ängste zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen führen können.

Auch auf der psychischen Ebene fördert Dauerangst die Entstehung weiterer psychischer Erkrankungen wie, zum Beispiel, Depressionen, Zwangs- und Suchterkrankungen, Schlafstörungen und viele weitere.

Wenn Angst eine so gravierende Wirkung auf unser Wohlbefinden hat, warum lassen wir sie dann zu? Das Leben ist endlich und keiner weiß, wann es endet. Fakt ist, jeder von uns wird früher oder später sterben. Warum verschwenden wir wertvolle (Lebens-)Zeit um Angst zu haben, statt das Leben in vollen Zügen zu genießen? In den letzten 2-3 Jahren gab es so viele traurige Geschichten, von Familien, die aufgrund unterschiedlicher Meinungen auseinander gegangen sind, und von jahrelangen Freundschaften, die dem gleichen Schicksal erlegen sind. Alte oder schwerkranke Menschen mussten alleine sterben, ohne die Gelegenheit eines würdevollen Abschieds zu haben.

Wir müssen versuchen, unsere Ängste einzudämmen und unser Leben sinnvoll weiterzuleben, und das Beste daraus zu machen, unser Tun den Dingen zu widmen, die uns glücklich machen und die zu unserem Wohl beitragen. Probieren Sie doch mal, eine Woche ohne jegliche Medien zu leben. Schalten sie komplett ab. Schauen Sie, was um sie herum im wirklichen Leben passiert, hören sie auf Ihr Herz und Bauchgefühl. Finden Sie heraus, was Ihre Bedürfnisse sind und befriedigen diese. Pflegen Sie Beziehungen und lernen Sie andere Meinungen zu akzeptieren, ohne diese zu bewerten. Denn in einer schwierigen Situation werden uns nicht die Regierung oder staatliche Institutionen zur Seite stehen, sondern unsere Familie und unsere Freunde. Lassen wir uns nicht auseinander reißen, denn wir alle sind Menschen und gehören zur Menschenfamilie.

Julia Karrasch, 14. Dezember 2022